Fachexperten tagen in Erfurt, um die Genauigkeit der Höhenmessung durch Satelliten zu verbessern und ihr Wissen an die nächste Generation weiterzugeben
Bis auf drei Zentimeter genau lässt sich die Höhe mit satellitengestützten Messverfahren mittlerweile bestimmen. „Hochgenaue Messverfahren sind heute in der Bauwirtschaft in vielen Bereichen erforderlich“, sagt Frank Gantze. Wenn die Bodenplatte eines Gebäudes in der Höhe auf 2 cm genau passen soll, könne man aktuell dafür nicht ausschließlich Satellitenmessverfahren nutzen. Gantze ist Vermessungsingenieur im Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation. Zusammen mit einem Kollegen aus Rheinland-Pfalz organisiert er seit 2011 einen nahezu jährlich stattfindenden Workshop für terrestrische Gravimetrie, bei dem es insbesondere um die Vermessung des Erdschwerefeldes geht.
„Ziel ist es, zukünftig die Höhengenauigkeit besser als zwei Zentimeter zu erreichen“, sagt Gantze. Dafür ist die genaue Kenntnis des Erdschwerfeldes unerlässlich. Denn die Erdanziehung ist nicht überall auf der Erde gleich. Die 9,81 Meter pro Quadratsekunde aus dem Physikunterricht sind gerundet. Die Vermesser müssen, um den Einfluss des Erdschwerefeldes bei den Vermessungsaufgaben zu berücksichtigen mit acht Nachkommastellen arbeiten, und in diesem Genauigkeitsbereich treten lokal relevante Abweichungen auf.
Um die Genauigkeit der Satellitenmessung zu verbessern, ist zwar auch heutzutage schon Korrektursoftware im Einsatz, die die Unterschiede im Erdschwerefeld berücksichtigt, aber die ist nur so gut, wie die Daten, mit denen sie befüllt werden. Die letzten flächendeckenden Messungen des Erdschwerefeldes in Thüringen stammten aus den 60er Jahren.
Wenn Massenveränderungen stattfinden, weil die Polkappen schmelzen oder ein Staudamm gebaut wird, kann sich das auf das Erdschwerefeld auswirken. In Thüringen habe beispielweise die Flutung der Talsperre in Leibis-Lichte lokal zu signifikanten Veränderungen geführt.
Deswegen startete das TLBG 2017 mit einer systematischen Neuvermessung von Veränderungsgebieten. „Wir gehen dabei von Vermessungsfestpunkten aus und messen dann im Abstand von etwa zwei Kilometern die tatsächliche Erdanziehung“, sagt Gantze.
„Es gehört zu den zentralen Aufgaben des Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation Daten, die die Vermessung der Erde betreffen, möglichst genau und aktuell zu halten. Deswegen wurde seit 2012 das Schwerefestpunktfeld in ganz Thüringen überarbeitet“, sagt TLBG-Präsident Uwe Köhler. Die neuen Festpunkte für die Messung von Lage, Höhe, Schwere sind oft Granitpfeiler nah an Straßen. „Die haben viele vermutlich schon in ihrem Alltag gesehen, wissen aber nicht unbedingt, wofür sie gut sind“, sagt Köhler.
In Thüringen ist die Erneuerung des Schwerefestpunktfeldes nun abgeschlossen, sodass hier Erfahrungen vorliegen, die auch für andere Bundesländer von großem Interesse sind.
„Der Workshop ist sehr wichtig für die Fachleute, denn er ist aktuell die einzige Gelegenheit, sich bundesweit auszutauschen“, so Gantze. Wenn die sich vom 10. bis 11. März in Erfurt treffen, geht es einerseits um die Weitergabe von Erfahrungen, um den Einsatz einer neuen Generation von Gravimetern, also Messgeräten, aber auch um das Vermitteln von Grundlagen der Gravimetrie.
„In vielen Landesvermessungsbehörden gibt es nur eine oder zwei Personen, die sich mit diesem Spezialthema Gravimetrie befassen. Wir haben aktuell einen Generationenwechsel und wenn wir wollen, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen bei der Messung nicht nur aufs Knöpfchen drücken, sondern auch die Zusammenhänge verstehen, müssen wir unser Fachwissen weitergeben“, sagt Vermessungsingenieur Gantze. Er selbst hat einst an der TU Dresden studiert und dort 1987 sein Diplom erworben. Erst 2008 kam er zum Thema Gravimetrie, weil er Studierende betreuen sollte, die darüber ihre Abschlussarbeit schreiben wollten. Jetzt hofft er, auch seinen eigenen Nachfolgern noch möglichst viel von seinem Wissen und seinen Erfahrungen weitergeben zu können, damit die anstehenden Aufgaben auch künftig mit der gleichen Intensität und Qualität fortgeführt werden können.
